Life of a Stay
„Hääää wieso denn, du bist doch einfach nur ein Fan einer K-pop Group, du hast doch einfach einen normalen Tag, wie wir alle?“
… nope. Ich zeige es euch.
06:00 Uhr
Ich wache auf mit meinem Stray Kids-Klingelton. Es ist aber kein normaler Wecker … Lee Know (mein Bias, also mein Lieblingsmember der Group) schreit mir ins Ohr, dass ich aufwachen soll. Auf Koreanisch. Jaaa … Ich kann kein koreanisch … Aber ich lerne es gerade, um wenigstens ein paar Wörter zu verstehen. (Aber wozu gibt es Untertitel?) Beim Frühstückmachen denke ich mir: Cooking like a Chef, im Five Star Michelin (Lied: Gods Menu)
07:00 Uhr
Meine Freundin hat einen YouTube-Link in unsere Stray Kids-Gruppe geschickt. Ich öffne den Link … Ein Fehler. Es ist eine Fancam (Video von einem Fan) von Han, wie er Chk Chk Boom tanzt. Ich tanze auch los. MITTEN AUF DEM SCHULWEG.
08:00 Uhr
Sport. An einer Umkleidetür sehe ich, wie jemand „Seungmin in the Building“ geschrieben hat. Ich liebe unsere Stay Community! Im Sportunterricht: Wir müssen rennen. „My Pace“ ist das Erste, woran ich denke. Unsere Sportlehrerin muntert uns auf: „Do it!“ Meine STAY-Freunde und ich singen los. Die anderen rollen die Augen und laufen weiter.
09:00 Uhr
In der Pause habe ich Brot mit Marmelade und Erdnussbutter gegessen. Meine innere Stimme singt sofort: „Peanut Butter, Jelly time we stick together day and night, yeah“. Das ist Linos Part im Lied Jjam. Ich verstehe es nicht, wieso haben die Kids ausgerechnet ein Lied über Marmelade geschrieben? Wir haben jetzt Mathe. Bei einer Rechnung kommt 143 raus. Ich will sofort aufstehen und „ONE, FOUR, THREE, I LOVE YOU“ schreien, aber ich beherrsche mich. (Lied: Case 143)
10:00 Uhr
Englisch. Ich raste aus, als ich realisiere, dass in einer Lücke eines Lückentext „stay“ kommt. Ich denke sofort: Stray Kids everywhere all around the world, you make Stray Kids Stay. (Der Spruch von Stray Kids. Er kommt an jedem Ende eines Musikvideos von ihnen vor.)
11:00 Uhr
Doppelstunde Kunstunterricht. Aber erstmal Pause. Ich hole mir in der Mensa einen Cookie. Und denke sofort an Lee Know, wie er der Kamera (uns) einen Cookie zeigt und „Cookie“ sagt. Ich glaube ich bin bisschen verliebt. Bisschen. (Wir ignorieren, dass ich Wallpaper, Poster, Armbänder, Profilbilder, Schlüsselanhänger und Fotokarten von ihm habe und meine Galerie voll mit seinen Bildern ist … ups.)
12:00 Uhr
Im Kunstunterricht müssen wir Portraits zeichnen. Ich bin schon lange fertig und zeichne skzoos, weil mir langweilig ist. Skzoos sind die zugehörigen Tiere der Stray Kids Member. Mein Bias Lee Know ist ein Hase.
13:00 Uhr
Endlich Schule aus! Aber dann bemerke ich: „ICH HAB MEINE LEE KNOW PHOTOCARD VERLOREN.“
BFF: „WAS?! WO?!“
ICH: „Ich glaub im Klassenzimmer … oder in der Mensa … oder im Leben.“
BFF: „Okay. Wir suchen. Das ist jetzt eine Rettungsmission.“
ICH: „Operation: Find Lee Know.“
BFF: „Ich drucke Flyer.“
Am Ende komme ich zu spät zur offenen Ganztagschule – aber dafür mit Lee Know!
14:00 Uhr
Hausaufgabenzeit. Ich sitze im Klassenzimmer, Stille überall. Alle beugen sich brav über ihre Arbeitsblätter. Ich auch … theoretisch. Ich starre auf meine Matheaufgabe, aber in meinem Kopf läuft plötzlich ein komplettes Stray‑Kids‑Konzert. Ohne Musik. Ohne Handy. Einfach … Gehirn‑Spotify. Ich versuche, mich zu konzentrieren. „Okay, Fokus. X ausklammern.“ Doch mein Gehirn so: „Weißt du, wer auch gut ausklammern kann? Lee Know. Gefühle. Emotionen. Menschen.“ Ich muss lachen. Ich darf aber nicht lachen. Also presse ich meine Lippen zusammen, als hätte ich gerade einen geheimen Auftrag.
Ich schreibe weiter, aber mein Bein fängt an, im Takt zu wippen. Welcher Takt? Keine Ahnung. Mein Gehirn spielt irgendeinen Felix‑Beat, den nur ich hören kann. Der Tisch wackelt. Ich tue so, als hätte ich einen Krampf. Niemand glaubt mir. Ich versuche wieder zu arbeiten. Ich lese die nächste Aufgabe. Sie ist viel zu lang. Mein Gehirn zeigt mir sofort ein Hyunjin ‑ „I’m done“-Meme. Ich lache schon wieder. Ich tue so, als müsste ich husten. Niemand fällt drauf rein.
Ich lege meinen Stift weg, atme tief durch und denke: „Ich wollte doch nur Mathe machen … warum bin ich so?“ Und mein Gehirn antwortet: „Weil du STAY bist. Deal with it.“
15:00 Uhr
Hausaufgabenzeit endet! Wir sitzen alle in der Chill‑Lounge, die Lichterkette glitzert wie kleine Sterne über uns. Alle Mädchen chillen auf den Sofas, reden über irgendwas völlig Normales. Ich sitze da und denke: „Okay. Kein Stray Kids. Kein Tanzen. Einfach normal bleiben.“ Dann erzählt eine von ihnen irgendeine Story und macht dabei dieses Geräusch: „… und dann so du du du—.“ Mein Gehirn stoppt. Alles wird still. Nur ein Gedanke bleibt: God’s Menu. DU‑DU‑DU. JETZT.
Bevor ich überhaupt nachdenken kann, springt mein Körper in diesen kleinen God’s‑Menu‑Move, dieses kurze, scharfe Hand‑und‑Schulterding. Nicht dezent. Nicht unauffällig. Ich mache es so, als würde ich gleich „Cooking like a Chef“ auf einer Bühne performen. Alle starren mich an. Ich realisiere es erst, als ich schon halb auf dem Sofa knie und meine Hand in der Luft hängt wie ein Idol im Dance‑Break.
„… ähm. Was war das?“ „Nichts.“ „Das war DEFINITIV was.“ „Ich … äh … hab mich gestreckt.“ „So streckt sich niemand.“ „Doch.“ „Nein.“ „… doch.“ Ich werde rot wie eine Ampel. Ich sinke im Sofa nach unten, als würde ich versuchen, im Polster zu verschwinden.
16:00 Uhr
Ich komme nach Hause von der OGS. Ich bin müde, aber mein Vater schleppt mich noch zu einer Shopping Tour mit. Uaah, keine Lust. Im Aldi sehe ich dann plötzlich Kleine Kuscheltiere, die wie Labubus aussehen. Auf der Verpackung stand: Maniacs. Bevor ich nachdenken konnte, machte ich schon den MANIAC-Move, dieses „mit der Faust den Kopf schlagen“. Alle schauen mich schräg an, vor allem mein Vater. Doch dann sehe ich meine Freundin an der Kasse und dieses Mal tanzten wir ZUSAMMEN.
17:00 Uhr
Ich schaue „nur ein Stray Kids Musikvideo“. Eine Stunde später: 325 Tanz- und Singsessions, 0 lernen. Ups …
18:00 Uhr
Ich muss aufs Klo, weil ich lange gelernt hab. Ich habe wirklich gelernt! Mit Musik sogar … Okay, erwischt, es war eine Stray Kids PLAYLIST. AAAber es gibt von SKZ auch langsame Songs (Sunshine, Grow up, Youtiful, #LoveSTAY, Because, Limbo, …) Ich gehe am Spiegel vorbei. Ich bleibe stehen. Ich mache die S‑Class‑Handbewegung. Ich mache sie nochmal. Ich mache sie mit mehr Drama.
Ich: „Ich bin bereit für mein Debüt.“
19:00 Uhr
Ich liege ganz entspannt im Bett, während ich lese. Mein Handy ist unten beim Aufladen. Plötzlich:
Mama (ruft): „Äh … Schatz? Komm mal bitte kurz!“
Ich (aus dem Zimmer): „Was ist denn?“
Mama: „Ich … äh … hab dein Handy gesehen.“
Ich renne panisch ins Wohnzimmer. Als ich endlich wieder in mein Zimmer reinkomme, hatte ich eine lange Diskussion, ob Lee Know ein Mädchen ist, oder nicht und wieso sein Bild, wo er ein Hello Kitty Kostüm anhat, mein Wallpaper ist, hinter mir. Tja, das Leben ist hart.
