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Entwicklung im Dunkeln

Ein endlos wirkender langer Gang, mehrfach verwinkelt, von dessen Existenz nur Eingeweihte wissen. Illuminiert wird die Szenerie durch gefühlt 50-Jahre alte Neon-Röhren, die die einzige Lichtquelle darstellen. Wir passieren eine erste Tür, dann eine zweite, bis wir schließlich an unserem Ziel angelangt sind: eine weitere unscheinbare Tür. Beim Betreten fällt schnell auf: Die Zeit scheint hier in den 1970ern stehen geblieben zu sein. Doch dieser Raum ist nicht etwa ungenutzt – im Gegenteil: Unter der Leitung von Herrn Trescher arbeitet hier jede Woche ein P-Seminar. Denn wir befinden uns gerade im Keller des Apians, abseits von Fahrrädern und Modelleisenbahnen.

Aber was kann man denn hier unten machen? 

In diesen Räumen, die oftmals in voller Dunkelheit sind, werden Fotos entwickelt. Denn das ursprüngliche Entwickeln ist weitaus zeitaufwendiger und komplizierter als sie einfach bei DM auszudrucken, aber es ist auch viel interessanter. Herr Trescher hat unserer Redaktion gezeigt, wie das funktioniert.

Um ein Foto zu entwickeln, braucht man zunächst eine sogenannte Dunkelkammer, in der wir uns gerade befinden. Das bedeutet genau das, was der Name sagt: ein Raum in kompletter Dunkelheit. Und das ist nicht übertrieben: Als das Licht ausgemacht wird, stehen wir in vollkommener Dunkelheit. Man sieht weder sich selbst, noch irgendetwas um einen herum. Der einzige Lichtschein kommt von einer kleinen Lampe in einer Ecke des Raumes, doch das ist so schwach, dass man nur etwas sieht, wenn man direkt davor steht.

Sehen kann man in einer Dunkelkammer normalerweise mit genau diesem speziellem Sicherheitslicht, denn „alltägliches“ Licht – Sonnenlicht oder gewöhnliche Lampen-  würde das empfindliche Fotopapier zerstören. Normalerweise gibt es an jeder Arbeitsstation im Fotolabor ein solches Spieziallicht, damit man zumindest ein wenig die eigenen Handgriffe beim Entwickeln von Fotos sehen kann.

Da die Lampen im Apian-Fotolabor aus den Anfangsjahren des Gebäudes stammen, funktionieren zum Zeitpunkt unseres Besuches fast alle nicht mehr. Ersatz ist heutzutage im Zeitalter digitaler Fotografie kaum mehr zu finden. Uns bleibt also in dieser unvorstellbaren Finsternis nichts anderes übrig, als genau dort stehen zu bleiben, wo wir gerade sind und Herrn Trescher „zaubern“ zu lassen.

Was passiert nun in der Dunkelkammer?

Wenn ein Foto geschossen wird, wird das Bild auf einem Film gespeichert und als Negativ („Zwischenbild“) entwickelt. Dieses Negativ wird anschließend mit einem Vergrößerer auf Fotopapier projiziert. Nun wird es besonders spannend: Das Fotopapier wird nacheinander in mehrere Chemikalien eingelegt, um es endgültig zu entwickeln und zu fixieren. Diese Flüssigkeiten sind in länglichen Behältern vor uns und verteilen diesen Geruch im Raum, den man sonst eher aus dem Chemieunterricht kennt. Vom Hineinfassen ist hier also eher abgeraten.

Zu guter Letzt wird das Foto noch gepresst, damit es schön gerade ist, und abschließend getrocknet.

Um den Entwicklungsprozess nicht zu gefährden, herrschen in der Dunkelkammer bsondere „Sicherheitsvorkehrungen“. So befindet sich zwischen dem Vorraum und der eigentlichen Dunkelkammer eine weitere Tür. Und dahinter, noch eine. Beide sind durch eine Schleuse seperiert. Diese Schleuse sorgt dafür, dass beim Hinausgehen oder Hineinkommen kein Licht in den Raum fällt. Trotzdem muss sich jeder, der in die Dunkelkammer hinein möchte, zunächst versichert werden, dass nicht gerade ein Foto entwickelt wird. Wie funktioniert das? Ganz einfach: Klopf, Klopf, Klopf. Klingt altmodisch, ist aber äußerst effektiv.

Fun Fact: Die Presse, die im Fotolabor des Apians steht, ist in dieser Form nicht mehr erhältlich, ähnlich ist es mit anderen Gerätschaften in diesem Labor.

Schließlich ist es also vollbracht. Herr Trescher hebt die Presse an und zum Vorschein kommt ein fertig entwickeltes Bild. Es zeigt einen unserer Presseausweise – aber nur in schwarz-weiß, schließlich läuft im Fotolabor die Zeit ein wenig anders, als im Rest des Apians.

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