Zwischen Lehren und Lernen
Woraus besteht eine Schule? Ganz klar: aus Schülern und Lehrern. Die meisten Lehrerinnen und Lehrer sind ein fester Teil des Kollegiums und wir Schüler wissen meist bei einem Blick auf den neuen Stundenplan zu Beginn des Jahres – zumindest ungefähr – wer uns erwartet. Doch es gibt auch neue Gesichter, die aber bereits nach einem halben Jahr auf mysteröse Weise aus dem Unterricht verschwinden und oft auch nicht zurückkehren. Doch so mysteriös ist das gar nicht. Genau das sind nämlich Referendare: Lehrer, die am Ende ihres Studiums eine Praxisphase, das sogenannte Referendariat absolvieren. Diese Zeit ist eine besondere, da die Lehrerinnen und Lehrer währenddessen bewertet und benotet werden. Um herauszufinden wie diese Phase zwischen Studium und Beruf wirklich ist, habe ich zwei unserer Apian- Referendare interviewen dürfen.
Beginnen wir zunächst einmal mit einer kurzen Vorstellungsrunde:
Ich bin die Frau Roswadowski. Ich bin Referendarin am Apian in dem letzten Ausbildungsabschnitt und unterrichte die Fächer Chemie und Englisch. Ich komme auch selber aus Ingolstadt. Ingolstadt ist meine Heimatstadt und nach dem Studium bin ich jetzt wieder hier.
Ich bin der Herr Herzner. Ich bin auch im letzten Ausbildungsabschnitt vom Referendariat. Ich bin Biologie- und Chemielehrer. Ich komme von ein bisschen weiter her. Ich habe in Erlangen studiert und bin jetzt seit eineinhalb Jahren hier in Ingolstadt.
Wie lange ist man Referendar und was passiert so in dieser Zeit?
Man ist für zwei Jahre Referendar. Das kommt immer auf das Bundesland an, aber in Bayern sind es genau 24 Monate.
Wir sind erstmal ein halbes Jahr an der Seminarschule. Das wäre für uns beide jetzt hier am Apian-Gymnasium. Dann wird man jedes halbe Jahr versetzt. Wir waren zwei Halbjahre jeweils an einer anderen Schule und in einer anderen Stadt. Bei mir war es zum Beispiel Neuburg und Mainburg. Ich hatte noch ziemlich viel Glück. Andere Leute wurden weiter weg versetzt. Im letzten Halbjahr ist man dann wieder zurück an der Seminarschule, bei uns wieder am Apian-Gymnasium.
Ist es nervig, immer die Schulen zu wechseln?
Ich finde das ist mit das Anstrengendste am Referendariat, dass man so oft Schule und Stadt und damit auch Routine wechseln muss.
Das heißt, Sie haben insgesamt an drei verschiedenen Schulen gearbeitet?
Genau.
Welche war die Beste?
Beide: Natürlich das Apian.
Richtige Antwort 🙂
Was gefällt Ihnen am Referendariat und was nicht?
Was natürlich schön ist, ist dass man so viel Unterstützung kriegt. Es ist ja so, dass wir noch in der Ausbildung sind und es ist schon super, wenn man immer einen Ansprechpartner hat, der einen bei Fragen unterstützt, der einem Feedback gibt, damit man sich auch verbessern kann. Man kommt aus der Uni, und hat natürlich eine Ahnung, wie das Ganze laufen soll, aber man steht eben noch ganz am Anfang des eigentlichen Berufslebens .Daher ist es gut, dass man auf alle Fälle weiß, dass wenn was ist, man sich an jemanden wenden kann. Und was natürlich auch super ist: manchmal fühlt sich das schon noch an, als wäre man eine Klasse. Wir sind 13 Referendare in unserer Seminargruppe und wir haben auch selber noch Unterricht zusammen. Und ich glaube, wir sind verhältnismäßig alle recht eng und gut miteinander. Es ist schon nett, dass man noch mal so eine Art Klasse in der Schule hat.
Ich denke, bei uns beiden ist es noch die Arbeit mit Schülern, was einfach Spaß macht. Ich glaube, man hat dann doch auch nochmal einfacher, wenn man selber noch vom Alter her näher an den Schülern ist und einen teilweise etwas lockeren Umgang hat. Mir macht es sehr Spaß, mit den Schülern zu interagieren. Und auch der Zusammenhalt in der Referendariatsgruppe ist schön. Das hat man jetzt wirklich auch eigentlich nur in der Seminarschule so krass. In den Einsatzschulen ist man dann teilweise ein bisschen mehr auf sich gestellt. Da ist es hier am Apian schon wirklich richtig super, dass man da so viel Rückhalt auch von den anderen hat.
Auf einer Skala von 1 (einfach) bis 10 (schwer), wie schwer ist das Referendariat?
Also schwer würde ich nicht sagen. Ich finde, es ist nicht schwer. Es ist belastend.
Anstrengend ist es.
Also ich glaube, schwer hätte ich gesagt, so 7 von 10. Man muss auch dazu sagen, dass wir sehr Glück haben, weil gerade ein relativ hoher Lehrermangel herrscht. Dadurch ist für uns die Wahrscheinlichkeit, dass wir eine Stelle kriegen, deutlich entspannter, also dass wir dann eingestellt und übernommen werden.
Das nimmt nochmal Prüfungsdruck raus.
Und macht das Ganze auch nicht so schwierig, weil es bei uns vor allem auch darum geht, dass wir bestehen und nicht, dass wir mit 1,0 bestehen müssen.
Wobei trotzdem Ehrgeiz natürlich da ist.
Absolut, ja.
Aber belastend oder anstrengend? Boah, sehr. Also schon mindestens eine 8,5. Wenn nicht höher.
Was ist Ihre Meinung zu diesem Klischee, dass Referendare im Vergleich zu fertigen Lehrern, von diesen weniger ernst genommen werden? Also merken Sie von erfahrenen Lehrern einen Unterscheid im Umgang im Vergleich zu Ihren Mitreferendaren?
Hier am Apian eigentlich nicht so. Ich finde, da geht es wirklich gut. In den Einsatzschulen war das teilweise schon anders, aber ich glaube, ich hatte auch da ein bisschen andere Persönlichkeiten. Ich glaube, da war es bei anderen Referendaren aus unserem Umfeld deutlich positiver.
Ich bin eher auf der anderen Seite. Also ich hatte wirklich top Kolleginnen und Kollegen. Wir hatten eine sehr gute Zusammenarbeit an allen meinen Einsatzschulen. Das kann ich deshalb zum Beispiel überhaupt nicht bestätigen. Ich habe mich schon immer sehr für voll und als gleichwertige Kollegin genommen gefühlt. Aber es kommt natürlich darauf an, auf was für Persönlichkeiten man trifft.
Was machen Sie, wenn Sie nicht gerade unterrichten bzw. wie sieht Ihre Freizeit abseits von diesen vier Wänden aus?
Alles andere. Neben unterrichten ist auf alle Fälle der größte Anteil Unterrichtsvorbereitung. Es dauert einfach unendlich lange.
Ja, ich habe gestern beispeilsweise vier Stunden damit verbracht, eine Schulstunde vorzubereiten.
Was auch viel Zeit in Anspruch nimmt, ist komischerweise Leistungserhebungen erstellen. Das hatte ich ehrlich gesagt gar nicht auf dem Schirm, dass das so anstrengend ist. Ich finde es sogar noch anstrengender als die Korrektur im Nachhinein. Ein weiterer Punkt sind unsere Seminarsitzungen, die wir ja auch noch haben.
Wie oft ist so eine Seminarsitzung?
Insgesamt sind es etwa 13 Stunden. Und sonst, wenn wir dann nicht mehr von Arbeit sprechen, auf der Couch sitzen und durchatmen. Mit Freunden was machen, wenn es geht Sport machen. Ansonsten Netflix schauen oder auf Instagram scrollen und sterben. 🙂
Versuchen, zu Freunden und Familie wieder in Kontakt aufzubauen, der so unter der Woche verloren gegangen ist. Und sonst die ganzen Hobbys machen, die gerade bei uns ein bisschen auf Eis liegen. Das kommt dann hoffentlich wieder, wenn man fertig ist.
Und nun die letzte Frage, würden Sie Ihren Job wieder wählen?
Beide: Ja, ganz klar.
Vielen Dank für das Gespräch!
Wie ihr sehen könnt, ist im Referendariat ziemlich viel los. Und teilweise fühlen sich die Referendare gar nicht so anders als Schüler. Oder um es mit Herrn Stockmeiers Worten zu sagen: Auch Lehrer sind nur ehemalige Schüler.
Wir wünschen daher allen Referendaren am Apian viel Erfolg, dass dieser Sprung zum Lehrer-sein gut gelingt.
Mit wem würdet ihr euch noch ein Interview wünschen? Schreibt es uns in die Kommentare!
