ZeitBewegend

I am Jane Doe.

„Jane Doe“. Ein Name, der seit einigen Wochen die sozialen Medien förmlich flutet. Unter „Jane Doe“ solidarisieren sich Frauen auf der ganzen Welt mit einer Person. Aber warum? „Jane Doe“ ist ein Name, der als Synonym in Rechtsfällen verwendet wird, um den tatsächlichen Namen einer Person geheim zu halten.

Hinweis: Dieser Artikel thematisiert sexualisierte Gewalt.

Die aktuelle „Jane Doe“ steht für eine amerikanische Studentin, die mutmaßlich von sieben Männern vergewaltigt wurde. Als wäre dies nicht schon schrecklich genug, wurde diese unmenschliche Tat scheinbar in einem Gruppenchat mit etwa 50 weiteren Männern geteilt. Die Reaktion dieser war … keine. Kein abgesetzter Notruf, keine Meldung bei der Polizei, kein Mitgefühl für die Frau, deren Leben in diesem Moment für immer verändert wurde.

Das alles geschah im Jahr 2024. Damals hatte die Tat keine juristischen Konsequenzen, da es zu keiner strafrechtlichen Anklage kam. Nun liegt der Fall aufgrund einer eingereichten Zivilklage dem amerikanischen Gericht vor.

Die Reaktion der Universität Cornell, die übrigens zu den Top-Universitäten der USA (auch genannt „Ivy League“) zählt, war damals mehr als ernüchternd. Die Schuldigen mussten als Teil ihrer Strafe Aufsätze schreiben.

Nur zwei der Täter wurden der Universität verwiesen, zwei weitere wurden suspendiert. Die Männer kehrten ohne Weiteres in ihren Alltag zurück. Seitdem die Anklage nun am zuständigen Gericht verhandelt wird, verbreitete sich der Fall auch außerhalb des Gerichtssaals. Einige Personen möchten die wahre Identität von „Jane Doe“ offenlegen und sprechen gegen die Frau Drohungen aus, damit sie die Anklage zurückzieht.

Ab diesem Punkt kamen TikTok, Instagram und Co. ins Spiel. Viele User solidarisieren sich mit dem Opfer und behaupten, selbst „Jane Doe“ zu sein, um ihre Identität weiter zu schützen. Denn je mehr Frauen öffentlich behaupten, sie seien „Jane Doe“, desto schwerer ist es, sie aufzuspüren und ihren wirklichen Namen herauszufinden.

Doch so unglaublich „Jane Does“ Geschichte wirkt, auch im 21. Jahrhundert ist Gewalt gegen Frauen kein Einzelfall. Umso alarmierender ist die Konsequenz der Universität. Das Schreiben von Aufsätzen, wie es eher von Schülern verlangt wird, die zu oft den Unterricht stören, ist mehr als unverhältnismäßig.

Was bleibt, ist der Schock. Der Schock, dass Menschen so eine unmenschliche Tat begehen können und dass solche Fälle in unserer Generation nach wie vor nicht die Maẞnahmen und Strafen hervorrufen, die sie verdienen – nichtsdestotrotz ist da auch ein Funken Hoffnung. Hoffnung, dass „Jane Doe“ Gerechtigkeit widerfährt und die Hoffnung, dass wir irgendwann in einer Gesellschaft leben, in der so eine Tat nicht nur unmöglich scheint, sondern es auch ist.

Beitragsbild: Frame (selbst erstellt)

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