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Lycées en lutte – Schulen im Widerstand

Am Montagmorgen, den 28. September 2026 begannen Frankreichs Schülerinnen und Schüler ihren Tag nicht im Klassenzimmer, sondern inmitten ihrer Mitschüler auf den Straßen. Sie demonstrieren für ihre Rechte, doch statt eines Dialogs mit den führenden Personen ihres Landes treffen Sie auf Wolken voller Tränengas.

Warum die Jugend protestiert

Rund 200.000 Jugendliche protestieren gegen lang aufgestaute Missstände. Ihre Schulen sind marode, Investitionen fehlen, Unterrichtsstunden entfallen vertretungslos, was vor allem für Abschlussklassen fatal ist. Und dennoch haben Schüler dadurch nicht etwa einen kürzeren Tag. Im Gegenteil. Für französische Jugendliche ist es durchaus normal, von 08:00 Uhr bis 18:00 Uhr Unterricht zu haben. Dies liegt an einer Schulreform von 2018, die zwar mehr Wahlmöglichkeiten bietet, aber somit auch vollere Stundenpläne. Nun hat Frankreichs Jugend genug.

Beispiel für einen Stundenplan in Frankreich

An diesem schicksalshaften Montagmorgen fand man sie nicht nur in Protestzügen, sondern auch bei Blockaden vor ihren Schulen. Laut der Schülergewerkschaft hinderten Blockaden oder vorläufige Schließungen rund 1800 Schulen am Regelbetrieb.

„Nun hat Frankreichs Jugend genug.“

Wenn Protest auf Polizeigewalt trifft

Demonstrationen von Jugendlichen, wenn auch nicht in diesem Ausmaß, kennen wir in Deutschland sehr wohl. Bewegeungen wie Fridays for Future und Proteste wie gegen die Wehrpflicht sind ein wichtiger Teil unserer Versammlungsfreiheit. Doch eine gewalttätige Polizei, die sich gegen Minderjährige stellt? – Nein. Das ist allerdings französische Realität.

Das Tränengas drängt Demonstranten zurück, ein verlor Schüler durch das Aufheben einer solchen Granate sogar seine Hand. Außerdem wurden mehrere 1000 Schülerinnen und Schüler bereits festgenommen. Mittlerweile sieht man auch immer mehr Erwachsene in der Menge. Lehrer und Eltern, die ihre Kinder und Schüler unterstützen und schützen wollen. Auch Gewerkschaften haben sich mittlerweile den Protesten angeschlossen.

Doch was tut die Politik gegen diese Gewalt in Frankreichs Großstädten und vor allem auch gegen die Probleme, die die Schüler ansprechen?

Wie reagiert die Politik?

Zu den jüngsten Entwicklungen gehört das Vorhaben der französischen Regierung, bis nach den Herbstferien etwa 300.000 Vertretungslehrkräfte bereitstellen und über eine spezielle Software an Schulen verteilen zu wollen. Zudem sollen laut Frankreichs Premierminister Sébastien Lecornu neue Investitionen für das kommende Jahr geplant werden – allerdings ist das weniger als Bildungs-Gewerkschaften fordern. Doch der französische Staat ist hoch verschuldet, weshalb höhere Summen, so dringend sie auch benötigt werden, kaum realistisch sind.

Auch nach fast 14 Tagen geben Schülerinnen und Schüler noch nicht auf. Doch die Härte, die ihnen entgegenschlägt, ist nicht zu akzeptieren. Zwar bestreitet Premier Lecornu, dass es sich um Polizeigewalt handelt, doch die Realität mit Tränengas, Blendgranaten und körperlicher Gewalt zeichnet ein anderes Bild. Selbstverständlich kam es auch zu Ausschreitungen von Schülerseite, doch ob dies das Vorgehen der Polizei rechtfertigt, ist dennoch fraglich.

Ein Blick nach Straßburg

Trotz weiterer Proteste versuchen Schulen ihren normalen Betrieb wiederherzustellen. Doch dies ist noch lange nicht der Fall. Wie ich von meiner letztjährigen Austauschschülerin erfahren konnte, fehlten am vergangene Freitag beispielsweise im straßburgischen Lycée Jean-Rostar in verschiedenen Kursen mehr als die Hälfte der Schüler – und Straßburg ist kein Einzelfall. Voraussichtlich werden die Demonstration noch die kommende Woche hinüber anhalten.

Und auch wenn wieder Ruhe einkehrt, bleiben Fragen:

  • Die Frage, ob sich die Situation für französische Schüler verbessern wird.
  • Die Frage, wie Frankreichs Haushalt damit umgeht.
  • Die Frage, ob und wie solche Proteste die kommende Präsidentschaftswahl in sieben Monaten beeinflussen.
  • Und zu guter Letzt die Frage, warum es Menschenketten aus Lehrer und Eltern braucht, um Jugendliche vor Polizeigewalt zu schützen.

Was wisst ihr über die Proteste in Frankreich?  Habt ihr etwas von Freunden oder Verwandten erfahren?

Schreibt es uns gerne in die Kommentare.

Quellen: Beitragsbild von Guallendra (Wikimedia Commons, CC0 1.0); Stundenplan und Video aus privater Quelle (Urheber der Redaktion bekannt).

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